Dezentralisierung

Es gibt seit einigen Jahren den Trend zu beobachten, daß runde fünfzig Prozent des internationalen Datenverkehrs im WWW über die großen Plattformen wie Microsoft, Yahoo, Facebook, Google oder Amazon laufen, wie der Connectivist anhand der Zahlen aus den vergangenen Jahren zeigt. Diese Dienstleister prägen zugleich die Wahrnehmung und die Gewohnheiten der Nutzer. Es wird immer unüblicher, nicht die großen Mainstream-Anbieter zu benutzen. Dabei gibt es im Netz dezentrale und oft für die eigenen Ansprüche besser geeignete Alternativen zu entdecken.

Man muß nur Lust haben, sie auszuprobieren. Freie Alternativen zu den kommerziellen Plattformen haben oft nicht nur den Vorteil, den dominierenden Anbietern die eigenen Daten auf dem Silbertablett zu verweigern, sondern sind auch deshalb nützlich, weil man selbst Einfluß auf die gewünschten Funktionen und mehr Kontrolle über die Dienste hat.

diaspora vs. facebook

Bei dezentralen Alternativen zu Facebook steht Diaspora hoch im Kurs (auch @datenfresser gibt es dort), das 2010 durch massive Unterstützung der Nutzer in einer Kickstarter-Kampagne ins Rollen kam. Es ist auch deshalb beliebt, weil es von den freien Angeboten das mit der besten Funktionalität ist. Funktionell eher mit Twitter vergleichbar ist das auf StatusNet aufbauende pump.io, mit dem man ein paar der Einschränkungen loswird, die sich bei Twitter eingebürgert haben. Noch im Aufbau befindet sich dagegen twister. Alle sind jedoch dezentrale, interoperable Angebote, die mit keinerlei Werbung nerven, keine Daten auswerten, sich auf offene oder freie Software stützen und die auch deutlich weniger anfällig für Zensur- und Filtermechanismen sind. Es sind verteilte soziale Netzwerke im eigentlichen Sinne des Wortes und eben keine Werbeplattformen. Und etwas weniger Justin Bieber und Dieter Bohlen bekommt man gratis dazu. :}

stores in the cloud
Auch zu youtube, Instagram, Soundcloud oder Flickr sind freie, dezentrale Alternativen verfügbar, um Videos, Bilder oder Audiodateien hochzuladen und verfügbar zu machen. Empfehlenswert ist vor allem das von der Free Software Foundation unterstützte MediaGoblin oder aber Buddycloud. Hier kann jeder, der das möchte, auch seinen eigenen Server betreiben und sich mit dem dezentralen Verbund zusammenschließen.

Und was ist mit Dropbox, gibt es da auch dezentrale Alternativen, wenn man einfach Speicher für Daten sucht? Natürlich. Am beliebtesten ist wohl die Open-Source-Alternative OwnCloud, aber auch das vor einem Jahr gestartete BitTorrent Sync (jetzt auch für Android), auch Sparkleshare oder Seafile finden als Dropbox-Ersatz zum Selberhosten immer mehr Nutzer. Wer besonders viel Wert auf eine gute Sync-Lösung legt, der wird vielleicht auch SpiderOak attraktiv finden.

Illustration von Osvaldo Montero Ilustrador, Cartoon von Manu Cornet.
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