Datenherrschaft und Pseudonyme

Viele besitzen verschiedene (zumeist kostenlose) Accounts bei Anbietern im Netz und verwalten und speichern dort ihre Daten, ihre Kommunikation, sie lagern Teile ihres Gedächtnisses aus: E-Mail, Chat, “Soziale Netzwerke”, Online-Speicher, Kalender, Blogs, Bilder-Galerien, Geld-Transfer usw. Wenn solch ein Account gesperrt wird, herrscht beim Betroffenen oft blankes Entsetzen, weil Teile der privaten oder beruflichen Kommunikation gestört sind, die Erreichbarkeit der eigenen Daten versperrt bleibt oder auch nur gewohnte Arbeitsweisen nicht mehr funktionieren.

Das Problem verstärkt sich noch, wenn viele der bequemen Online-Services bei einem Anbieter zusammenlaufen. Überdies sind viele, vor allem auch internationale Anbieter schwer erreichbar, um den Grund für die Account-Sperre herausfinden zu können und möglichst wieder aufheben zu lassen. Die Benutzungsbedingungen der vordergründig kostenlosen Services sind oft sehr verzweigt, so dass es durchaus vorkommen kann, ohne Absicht gegen Regeln des anbietenden Unternehmens zu verstoßen, die eine Account-Sperre – automatisch oder von Mitarbeitern entschieden – auslösen. Leider behandeln nicht wenige Anbieter ihre Kunden dann recht stiefmütterlich, die sprichwörtliche Service-Wüste in der Kommunikation mit den Nutzern. (Thomas Monopoly hatte kürzlich diese Erfahrung machen müssen, als sein Google-Account und mit ihm sein digitales Leben suspendiert wurde. Er hat daraufhin einen wütenden, ohnmächtigen offenen Brief an Google (Englisch) verfaßt.)

all must be shared to win the war

Natürlich liegt eine einfache Antwort für das Problem auf der Hand: Verschenke Deine vollständige Netz- und Datenpräsenz nicht an einen einzigen Anbieter, schon gar nicht, ohne die Daten ebenfalls unter eigener Herrschaft zu sichern. Dennoch mag es gute Gründe geben, Online-Services aller Art zu benutzen, vielleicht ist ob der Dreistigkeit einiger Anbieter aber wenigstens überlegenswert, nicht alle Daten einem einzigen Anbieter in den Rachen zu werfen – er könnte sie schließlich auf Nimmerwiedersehen verschlucken.

Ohnehin empfiehlt es sich, neue Plattformen ruhig mal ein Weilchen zu testen, bevor man mit Herz und Hirn und womöglich mit eigenem Namen einsteigt. Dazu bieten sich temporäre Accounts an, die man sich auch bequem – ohne eine eigene E-Mailadresse verbrennen zu müssen – generieren lassen kann. Außerdem helfen Pseudonyme, also fiktive Namen, auch weil die Angabe des tatsächlichen Namens den Marktwert des Nutzerprofils für den Anbieter steigert, dem Nutzer aber nicht viel bringt.

Google – ohnehin schon Alleswisser – hat seit kurzem einen neuen Service mit dem Namen Google+ im Angebot. Doch er ist in der letzten Zeit ein wenig ins Gerede gekommen, weil reihenweise pseudonyme Accounts gesperrt wurden. Dabei gibt es gute Gründe, seinen realen Namen nicht anzugeben, die Jillian York wunderbar zusammenfaßt (Englisch, hier eine deutsche Übersetzung). Entsprechend muß von Diensten, die keine pseudonyme Nutzung erlauben, generell abgeraten werden.

Plakat von Aaron Wood.

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